Epikur und die Lust am Essen

Nachdem mein letzter Beitrag etwas her ist, möchte ich euch einmal zeigen, womit ich mich unteranderem in meiner Bachelorarbeit befasse. Dies ist ein Auszug aus dem Teil der geschichtlichen Herleitung. Ich befasse mich in meiner Arbeit, wie in diesem Blog mit der Frage, warum sollten wir uns regional ernähren und Epikur findet mit seinem Hedonismus ein paar interessante Antworten für diese Frage:

 

Epikur entwickelt mit seinem Hedonismus eine Ethik des guten Essens als Befriedigung der Lust unter einbeziehen von Bescheidenheit im Essverhalten. Er vertieft damit Sokrates Ansichten eines guten Lebens durch Essen. Hedone bedeutet Sättigung und Fülle durch den Genuss von Speisen. Die kulinarische Lustbefriedigung als ein ethisch gutes Leben steht dabei im Gegensatz zu Platon und Aristoteles, die dem Essen einer Diätmoral unterlegen. (vgl. Dell'Agli 2009, 17 ff.) Sie sehen die ungezügelte Befriedigung der Lust durch Essen als problematisch und unterlegen dieses der Selbstbeherrschung. Damit wird die Ernährung ethisch irrelevant, da es aus der Lebenspraxis und damit aus der Philosophie verdrängt wird. In der diätischen Ernährungslehre wird die Nahrung zu einer Notwendigkeit zum Lebenserhalt. (vgl. Lemke 2007, 19)

 

Epikurs Ethik des Essens macht dieses zum höchsten Gut einer lustvollen Vernunft. Ein ethisch gutes Leben bedeutet dabei ein lustvolles Leben zu führen. Dies beinhaltet das lustvolle Essen, durch das der Mensch Weisheit und Glück erfährt. Der Hedonist, der als Genussmensch nach jeder Form von Lust strebt, wird bei Epikur allerdings nicht zum Lüstling, der in Völlerei lebt. Glück wird durch die ethisch richtige Wahl des lustvoll Guten erreicht, damit soll der Mensch nicht hungern oder durstig sein. Dieses Abwenden des existenziellen Leides durch Hunger führt zum minimalen Glück, das alle Menschen gleichsam erfahren können. Die Ernährungssicherheit als Nicht Hungern wird zum normativen Konzept, in dem der Mensch Freiheit, durch das Erfahren des Guten des Sattwerdens und Sattseins, erlangt. Der Mensch soll damit nach Epikur gut, aber unter mageren Bedingungen essen. Er fordert Selbstgenügsamkeit um bescheidenes Glück zu erfahren, denn ihm sind die Folgen ungesunder Ernährung bewusst, sodass ausschweifende Mahlzeiten zu einer unwohlen Physis und Fettleibigkeit führen. Dies würde wiederum dem Lustprinzip entgegensprechen, da in den Krankheiten durch übermäßiges Essen Unlust liegt. (vgl. Dell'Agli 2009, 17 ff.)

Eine Besonderheit in Epikurs Leben ist die Art und Weise, wie er seine Mahlzeiten einnahm. Er lebte mit seinen Anhängern auf einem Anwesen mit ausgedehntem Garten, in dem sie Lebensmittel zur Selbstversorgung zogen. Zu seinem Hedonismus gehört dabei das soziale Leben in Freundschaft und die Mahlzeit in Gemeinschaft hinzu. Unabhängig von Sklaverei und der Unterdrückung von Frauen in der Antike haben bei ihm alle Menschen die gleiche Freiheit und es herrscht soziale Gerechtigkeit. Für den Lebensunterhalt in dieser Gemeinschaft sind alle gleichermaßen zuständig und tragen das bei in dem Maße, was sie leisten können. So wird sein Hedonismus auch als epikureischer Kommunismus bezeichnet. (vgl. Dell'Agli 2009, 29 ff.) Aus diesem Grund ist ebenfalls interessant zu betrachten wie Epikur aß. Ihm ist es wichtig weder auf die Lust des Essens zu verzichten noch in Völlerei zu leben. Es geht ihm darum die richtige Lust als das Gute zu wählen. In der Mahlzeit sind bei ihm alle gleichsam frei und Teil der Gemeinschaft. Deshalb wird auch die Aufgabe der Essensbeschaffung gemeinschaftlich gelöst. Er setzt dabei auf die Selbstversorgung durch den eigenen Anbau.

 

Literatur:

Dell'Agli, Daniele (Hg.) (2009): Essen als ob nicht. Gastrosophische Modelle. Orig.-Ausg., 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Lemke, Harald (2007): Ethik des Essens. Eine Einführung in die Gastrosophie. Berlin: De Gruyter.

 

 

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