Warum sollten wir regional essen? - Teil 2: Normative Argumente

Im Anschluss an die Einführung gehe ich hier nun auf die These, dass eine regionale basierte Ernährung den natürlichen Lebensraum sichert ein, ein. Dieser Teil stellt damit eine normative Herleitung von Argumenten für die Untersuchungsfrage dar.

Beginnen möchte ich mit der Ökologie als menschlichen Lebensraum und der Frage nach einer Ethik. Der Mensch ist abhängig von der Natur, denn ohne sie kann er nicht überleben. Der Eingriff in die Natur ist notwendig, damit der Mensch überleben kann. Doch durch die gravierenden bestehenden Umweltschäden gefährdet der Mensch sich selbst. Aus diesem Grund legitimiert sich eine Ethik zur Sicherung des menschlichen Überlebens. Eine solche Ethik muss global sein, da die Umwelt keine gesellschaftlichen Grenzen kennt. Aus einer Naturethik zum Schutz der Umwelt wird eine globale Menschheitsethik zur Sicherung der menschlichen Lebensgrundlage. Eine Möglichkeit einer solchen Ethik ist die regional bewusste Lebensweise. Sie basiert auf der Annahme positiven Einfluss auf das direkte Umfeld zu nehmen um einen gesamtheitlich guten Effekt zu erzielen. Begleitet wird dies von der Voraussetzung, dass eine regionale Ernärhungsweise aus schonender Landwirtschaft und Eigenerzeugung erfolgt.

Rousseau sagte diesbezüglich: "Mein Hof wäre ein Hühnerhof und mein Marstall ein Kuhstall für meine geliebten Milchspeisen. Mein Garten wäre ein Gemüsegarten und mein Park ein hübscher Obstgarten." Er forderte damit Autonomie des einzelnen in der Lebensmittelerzeugung und einem Entgegenwirken von einer falschen Esskultur und schlechten Geschmacks. Ein weiteres Beispiel ist Theodor W. Adorno, der eine Umstellung der agraischen Monokultur zu einer Biodiversität gerechten Agrkultur "als der rettenden Aufnahme des Anderen, das bislang bloß unterdrückt ward und womöglich ausgerottet" wird. Er kritisiert die industrielle Agrarproduktion und verlangt eine Humanisierung und Ökoloisierung des Landbaus.

 

An einem Beispiel lässt sich die ethische Forderung nach Regionalität besser verdeutlichen. In einer Zukunftsprognose der Bundeszentrale für politische Bildung wird angegeben, dass nach Jahren des Nahrungsüberfluss langfristig eine Nahrungsknappheit zu erwarten ist. Dies liegt daran, dass global landwirtschaftliche Nutzflächen durch Übernutzung und Versalzung, den Ausbau von Großstädten und Extremwettersitutationen aus dem Klimawandel verloren gehen. Die Bundeszentrale gibt dabei eine Empfehlung zur Unterstützung von Kleinbauern in Regionen, die bisher keine Agrarförderung erhalten haben. Die Minimierung ihrer Ertragsverluste sei zielführender im Entgegenwirken der Nahrungsknappheit als die weitere Steigerung der Intensivlandwirtschaft. Damit zeigt sich, dass die Stärkung der schonenden regionalen Landwirtschaft als Chance in der Frage der Ressourcenschonung gesehen wird.

 

Letzten Endes muss man sich eingestehen, dass in der Frage der Umwelt als Lebensgrundlage des Menschen eine Lösung gefunden werden muss. Ich finde eine Antwort in der regionalen Ernährung aus schonendem Anbau und muss hinzufügen, dass es auch noch viele weitere Argumente die uns in Zukunft betreffen dafür gibt, wie zum Beispiel die Schonung der Ressource Wasser, die Frage der sozialen Sicherheit in einer Ressourcenknappheit oder die gerechte Verteilung von Lebensmittel global gesehen.

 

Was sagt ihr dazu? Ich würde mich über eine inhaltlich starke Diskussion freuen!

 

Literatur:

Debiel, Tobias: Globale Trends. Frieden, Entwicklung, Umwelt. Lizenzausg (Schriftenreihe / Bundeszentrale für Politische Bildung, 1366).

Lemke, Harald (2007): Ethik des Essens. Eine Einführung in die Gastrosophie. Berlin: De Gruyter.

Lemke, Harald; Ogawa, Tadashi (2008): Essen - Wissen. Erkundungen zur Esskultur. München: Iudicium.

Lütterfelds, Wilhelm; Mohrs, Thomas (1997): Eine Welt - eine Moral? Eine kontroverse Debatte. Darmstadt: Wiss. Buchges. Abt. Verl.

 

 

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