Warum sollten wir regional essen? - Teil 1: Eine Einführung

Guten Tag! Schön, dass du meinen neuesten Beitrag liest. Die Frage "warum sollten wir regional essen?" begleitet mich nicht nur in meinem Blog, ich bearbeite sie auch in meinem Studium. In einem Vortrag habe ich kürzlich normative und nicht-normative Argumente für die regionale Kost gefunden, die ich euch nicht weiter vorenthalten möchte. Mein heutiger Beitrag dreht sich aus diesem Grund um die These, dass eine regional basierte Ernährung als Lebensweise den natürlichen Lebensraum sichert.

 

Zu Beginn möchte ich euch im Sinne des wissenschaftlichen Arbeitens die Begrifflichkeiten der Untersuchungsfragen definieren. Die Frage nach dem "Essen" hat eine lange Tradition in der Kulturgeschichte des Menschen. Man könnte behaupten, dass die Nahrungszunahme an sich nicht von wert sein muss, da sie ein Grundbedürfnis ist. Doch unterscheidet sich das "Essen" des Menschen klar vom "Fressen" des Tieres durch die Zugabe von Kultur im Essprozess. Die Nahrungszunahme ist eine kulturell geprägte symbolische Form. Zum Beispiel kann man Kulturkreise daran unterscheiden, ob sie mit Messer und Gabel, Stäbchen oder den Händen Nahrung zu sich nehmen. Außerdem vereint das Essen die vermeintlich unterschiedlichen Disziplinen der Kultur- und Naturwissenschaften, wenn der Mensch als kulturelles Wesen sich mit Nahrung Natur beim Essen einverleibt.

Regionalität bedeutet die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Landesgebiet. Auch die regionale Küche hat einen geschichtlichen Hintergrund. Der klare Wunsch nach einer regional basierten Ernährungsweise kann man als erstes bei Jean-Jacque Rousseau verorten. Als Romantiker fordert er die Rückkehr zur Natur. Seine Gegenmaßnahme zur menschlichen Naturentfremdung ist die Selbsterzeugung von Lebensmitteln. Im 19. Jahrhundert findet regionale Küche unter dem Titel der "Hausmannskost" ihren Namen. Sie drückt eine einfache, natürliche und bürgerliche Küche aus und grenzt sich von der damaligen Haute Cuisine ab. Ein Jahrhundert später, in den 1970er Jahren findet die regionale Küche einen neuen Platz in den Kochbüchern. Die Ölkrise zeigte dem Menschen die Endlichkeit der Rohstoffe, wodurch Regionalität wieder thematisiert wurde. Heute ist eine regional-typische Kost positiv mit natürlich und gesund belegt. Sie hat ihren Platz in der Freizeitkost.

"Warum sollten wir" stellt eine alle betreffende Forderung nach einer moralischen Pflicht dar. Aus diesem Grund sind meine Betrachtungen in die Disziplin der Gastrosophie einzuordnen. Diese bietet einen philosophischen Blick aufs Ganze in der Frage der Ernährung. Sie ist eine Ethik, die das individuelle Handeln in einen globalen Zusammenhang stellt und gleichsam eine Praxis, die ein ethisch gutes Essen fordert.

 

Literatur:

Lemke, Harald (2007): Ethik des Essens. Eine Einführung in die Gastrosophie. Berlin: De Gruyter.

Teuteberg, Hans-Jürgen (1997): Essen und kulturelle Identität. Europäische Perspektiven. Berlin: Akad.-Verl. (Kulturthema Essen, / hrsg. von Gerhard Neumann ; 2).

 

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